Einleitung
In modernen Rechenzentren sind minimale Latenzen und verlustfreie Ethernet-Verbindungen (Lossless Ethernet) unerlässlich. Das Dienstprogramm dcb stellt unter Linux das zentrale Werkzeug bereit, um DCB-Mechanismen (Data Center Bridging) direkt auf Schnittstellenebene zu verwalten. Dieser Praxisleitfaden demonstriert, wie Systemadministratoren wichtige Parameter wie Enhanced Transmission Selection (ETS), Priority-based Flow Control (PFC) sowie anwendungsspezifische Priorisierungsregeln (APP) auf der Konsole analysieren und konfigurieren.
Bereitstellung von dcb und Abfrage der integrierten Befehlshilfe
Die DCB-Verwaltungswerkzeuge sind standardmäßig im Kernpaket iproute2 integriert. Vorab empfiehlt sich die Aktualisierung des Paketindexes und die Überprüfung der Installation:

Mit dem which-Kommando lässt sich verifizieren, ob die Binärdatei im Systempfad auffindbar ist:

Ein Aufruf von dcb help liefert die Syntaxübersicht sowie sämtliche verfügbaren Unterbefehle und Steuerungsobjekte:
⚙️ [Zentrale Kommandozeilenflags]
-j : Gibt die Ausgabe im strukturierten JSON-Format aus.-p : Formatiert die JSON-Ausgabe mit Einrückungen (Pretty Print) für leichtere Lesbarkeit.-N : Führt den Befehl innerhalb eines definierten Network Namespaces aus.-b : Verarbeitet mehrere Befehle gebündelt aus einer Textdatei oder über die Standardeingabe.-f : Ignoriert Fehler im Batch-Modus und setzt die Ausführung nachfolgender Befehle fort.

Erstellung und Validierung einer virtuellen Test-Schnittstelle
Um DCB-Befehle gefahrlos zu testen, ohne physische Netzwerkverbindungen zu beeinflussen, erstellen wir zunächst ein virtuelles Dummy-Interface namens dummy0:

Anschließend wird der neue Link in den aktiven Betriebsmodus versetzt:

Mittels ip link show dummy0 überprüfen wir die Eigenschaften und den Verbindungsstatus. Die Statusflags <UP,LOWER_UP> zusammen mit der zugewiesenen MAC-Adresse bestätigen die ordnungsgemäße Initialisierung des Interfaces:

Prioritätszuweisungen auf Anwendungsebene (APP-Tabelle)
Über den Befehl dcb app help lassen sich die Optionen zur Abbildung von DSCP-Werten oder L4-Portnummern auf spezifische Traffic-Prioritäten einsehen:

Mit dem Befehl dcb app show dev dummy0 || true fragen wir die aktuellen Prioritätszuordnungen der Schnittstelle ab. Da dummy0 ein rein softwarebasiertes Pseudo-Device ohne Hardware-DCB-Unterstützung ist, bleibt die Rückgabe bei fehlenden manuellen Regeln typischerweise leer:

Konfigurationsprüfung von PFC und Bandbreitensteuerung (ETS)
Priority-based Flow Control verhindert Paketverluste innerhalb definierter Verkehrsklassen durch gezielte Pause-Frames. Die Syntax und Einstellungsoptionen für diesen Mechanismus liefert dcb pfc help:

Der aktuelle PFC-Zustand sowie konfigurierte Verzögerungstoleranzen werden über die Statusabfrage ermittelt:

Enhanced Transmission Selection (ETS) regelt die garantierte Bandbreitenaufteilung und Zeitsteuerung über Traffic-Klassen hinweg. Eine Zusammenfassung der Konfigurationsmöglichkeiten liefert der Hilfebildschirm:

Durch das Auslesen der ETS-Konfiguration auf dem Zielgerät können Bandbreitenanteile und Klassenzuweisungen validiert werden:

Pufferzuweisungen und Bereinigung der Laborumgebung
Zur Feinabstimmung hardwarenaher Zwischenspeicher pro Prioritätsstufe und Traffic-Klasse bietet das Subsystem dcb buffer entsprechende Steuerungsbefehle:

Nach Abschluss der Diagnoseschritte lässt sich das temporär erzeugte Netzwerkinterface mit folgendem Befehl rückstandsfrei entfernen:

Mit diesen Schritten besitzen Sie das erforderliche Rüstzeug, um Data Center Bridging unter Ubuntu via Befehlszeile zu untersuchen. Auf physischen Enterprise-NICs mit RoCE- oder iSCSI-Anbindung ermöglichen diese Mechanismen eine hochpräzise Dienstgütesteuerung im Rechenzentrumsnetzwerk.